Heinrich von der Pfalz

Bischof Heinrich von der Pfalz, zeitgenössisches Gemälde

Heinrich von der Pfalz (* 15. Februar 1487 in Heidelberg; † 3. Januar 1552 in Ladenburg) war Fürstbischof von Worms, von Utrecht und von Freising sowie Fürstpropst von Ellwangen.

Familie

Heinrich entstammte dem Hause Wittelsbach und war das siebente Kind des Pfälzer Kurfürsten Philipp des Aufrichtigen sowie seiner Gattin Margarete von Bayern-Landshut (1456–1501); diese war die Tochter von Herzog Ludwig IX. von Bayern-Landshut und seiner Gemahlin Amalie von Sachsen.

Leben und Wirken

Der ältere Bruder Ludwig V., der 1508 nach dem Tod des Vaters dessen Kurwürde übernommen hatte, setzte Heinrich 1521 als Fürstpropst von Ellwangen ein und verschaffte ihm 1524 das Bischofsamt in Worms, wo er als Heinrich IV. geführt wurde.

Kaiser Karl V., dem Heinrich ein Jahr später seine zusätzliche Wahl zum Bischof von Utrecht zu verdanken hatte, fand in ihm einen zuverlässigen Anhänger. Während Heinrichs Utrechter Zeit kam es mehrmals zu Unruhen, weil im Gefolge der Reformation immer wieder die Autorität seines Amtes in Frage gestellt wurde. 1528 übertrug er darum als Herzog von Brabant und Graf von Holland die weltliche Verwaltung des Hochstifts Utrecht auf den Kaiser, was das Ende von Utrechts politischer Selbstständigkeit bedeutete. Ein Jahr danach gab Heinrich auch das Bischofsamt von Utrecht auf und verließ die Stadt.

Anschließend widmete er sich dem Bistum Worms. Mit Heinrichs Namen verbunden sind die Renovierungsarbeiten am Sommerschloss der Wormser Bischöfe in der pfälzischen Gemeinde Dirmstein, nachdem es im Bauernkrieg Schäden davongetragen hatte. In einen Sandstein­sturz ist eine Inschrift eingemeißelt, die zeitlich zwischen 1525 (Bauernkrieg) und 1541 (Übernahme der hier unerwähnten Freisinger Bischofswürde) einzuordnen ist:

„HENRICH V G G COADIUTOR ERWELTER UND BESTETIGTER ZU WORMBS UND UTRECHT PROBST UND HER ZU ELWANGEN PFALZGRAF BEI RIEN UND HERZOG IN BEIERN“

Ins heutige Deutsch übertragen heißt dies:

„Heinrich, von Gottes Gnaden erwählter und bestätigter Koadjutor zu Worms und Utrecht, Propst und Herr zu Ellwangen, Pfalzgraf bei Rhein und Herzog in Bayern“

1541 erhielt Heinrich auch noch die Bischofswürde von Freising, nachdem seine älteren Brüder Ruprecht und Philipp, die das Amt nacheinander innegehabt hatten, gestorben waren. Hier heißt er Heinrich III.

Am 14. August 1543 vermittelte der Bischof in Ladenburg einen Sühnevertrag zwischen Hans Sigmund von Plieningen und Caspar II. Lerch von Dirmstein; Hans Sigmund hatte 1531 Christoph Caspar Lerch, einen der Söhne Caspar Lerchs, im Duell getötet. In Zusammenhang mit dem Vertrag wurde das Weinsheimer Gedenkkreuz errichtet und die bis heute existierende Katholische Hospitalstiftung Dirmstein begründet.

Der Historiker Karl Meichelbeck nennt Bischof Heinrich einen „frommen und gerechten Herrn, der sich der armen Weltgeistlichen“ angenommen habe. Die Bischofsweihe hatte er zeitlebens nicht erhalten. Joseph Ferdinand Damberger[1] vermerkt über ihn: „...war bei aller gerühmten Güte, ohnehin nicht consecriert, kaum einem in der furchtbar bewegten Zeit gewachsen.“[2]

Literatur

Weblinks

  • Website über Bischof Heinrich als Fürstpropst zu Ellwangen

Einzelnachweise

  1. Joseph Ferdinand Damberger in der Deutschen Biographie
  2. Joseph Ferdinand Damberger: Fürstenbuch zur Fürstentafel der europäischen Staatengeschichte, Band 1. Pustet Verlag, Regensburg 1831, S. 139 (Digitalscan).
VorgängerAmtNachfolger
Reinhard II. von RippurBischof von Worms
1524–1552
Theoderich von Bettendorf
Philipp von BurgundBischof von Utrecht
1524–1529
Wilhelm III. von Enckenvoirt
Philipp von der PfalzBischof von Freising
1541–1552
Leo Lösch von Hilkertshausen
Albrecht VI. Thumb von NeuburgFürstpropst von Ellwangen
1521–1552
Otto Truchsess von Waldburg-Trauchburg
Bischöfe von Worms (1257–1604)
(Vorgänger: Richard von Daun)

Raugraf Eberhard I. | Raugraf Friedrich I. | Simon von Schöneck | Eberhard II. von Strahlenberg | Raugraf Emicho I. | Eberwin I. von Cronberg | Emmerich von Schöneck | Heinrich III. von Daun | Konrad IV. von Schöneck | Gerlach von Erbach (Doppelwahl: Kandidat des Domkapitels) | Salmann Cleman (Doppelwahl: Kandidat des Papstes) | Dietrich Bayer von Boppard | Johann I. Schadland | Eckard von Dersch | Matthäus von Krakau | Johann II. von Fleckenstein | Eberhard III. von Stettenberg | Friedrich II. von Domeneck | Ludwig von Ast | Reinhard I. von Sickingen | Johann III. von Dalberg | Reinhard II. von Rüppurr | Heinrich IV., Pfalzgraf bei Rhein | Dietrich II. von Bettendorf | Georg von Schönenberg | Philipp I. von Rodenstein | Philipp II. Kratz von Scharfenstein

(Nachfolger: Wilhelm von Efferen)

Wildgraf Emicho | Gottfried von Hexenagger | Konrad III. der Sendlinger | Johannes I. Wulfing | Konrad IV. von Klingenberg | Johannes II. Hake | Albert II. von Hohenberg | Paul von Jägerndorf | Leopold von Sturmberg | Berthold von Wehingen | Konrad V. von Hebenstreit | Hermann von Cilli | Nikodemus della Scala | Heinrich II. Schlick | Johannes III. Grünwalder | Johann IV. Tulbeck | Sixtus von Tannberg | Ruprecht von der Pfalz | Philipp von der Pfalz | Heinrich III. von der Pfalz | Leo Lösch von Hilkertshausen | Moritz von Sandizell | Ernst von Bayern | Stephan von Seiboldsdorf | Veit Adam von Gepeckh | Albrecht Sigismund von Bayern | Joseph Clemens von Bayern | Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck | Johann Theodor von Bayern | Clemens Wenzeslaus von Sachsen | Ludwig Joseph Freiherr von Welden | Maximilian Prokop von Toerring-Jettenbach | Joseph Konrad Freiherr von Schroffenberg

Sedisvakanz (1803–1821): Joseph Jakob von Heckenstaller (Generalvikar und Apostolischer Vikar)
seit 1817 Erzbistum München und Freising

Normdaten (Person): GND: 124541496 (lobid, OGND, AKS) | VIAF: 67402032 | Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME Heinrich von der Pfalz
KURZBESCHREIBUNG Bischof von Worms, Utrecht und Freising
GEBURTSDATUM 15. Februar 1487
GEBURTSORT Heidelberg
STERBEDATUM 3. Januar 1552
STERBEORT Ladenburg